Das Wetter ist schön und trocken, dabei soll es nicht zu heiß werden. Beste Bedingungen also für eine längere Ausfahrt. Eigentlich hatte ich überlegt, mal wieder den Havelland-Radweg von Staaken nach Rathenow zu fahren. Das sind etwa 85 Kilometer, mit dem Trekkingrad rund viereinhalb bis fünf Stunden flotte Fahrt – dazu käme noch eine Dreiviertelstunde Rückfahrt mit dem Regionalexpress.
Da heute aber noch etwas Wochenendarbeit ansteht, entscheide ich mich für eine etwas kürzere Runde. Knapp 70 Kilometer sollen es mit Anfahrt werden, einmal um die Berliner Havelgewässer herum, mit Start und Ziel in Spandau. Den Havelradweg von Spandau nach Sacrow bin ich in der letzten Zeit häufiger gefahren, meist als kurze Runde von etwa 35 Kilometern. Mein Lieblingsort auf dieser Strecke ist die Heilandskirche Sacrow, die direkt am Wasser steht und für mich immer wieder der Höhepunkt dieses Abschnitts ist.
Im Winter hatte ich dort eine Ganzjahresschwimmerin getroffen, auf Instagram unter peti.goes.swim zu finden. Sie überquert die Havel von der gegenüberliegenden Seite aus; auch eine Fähre fährt hinüber. Von der Heilandskirche aus gesehen wirkt das andere Ufer vor allem grün. Aber wie sieht die Heilandskirche eigentlich von dort drüben aus?
Genau diese Frage ist einer der Gründe für die heutige Tour. Und tatsächlich: Von der anderen Havelseite aus sieht die Kirche ganz wunderbar aus – und sie wirkt deutlich näher, als man es von Sacrow aus vermuten würde. Als dann auch noch ein Boot vorbe tuckert, bekomme ich endlich das Foto, das ich schon länger machen wollte.
Die Route führt zunächst auf dem Havelradweg von Spandau nach Sacrow. Es geht durch Gatow und Kladow, an Uferwegen, Badestellen und alten Ausflugslokalen vorbei. Bei Neukladow bietet sich eine Pause am Gutshaus an, später folgt mit der Heilandskirche der erste große Höhepunkt der Tour.
Von Sacrow aus beginnt die Runde um den Jungfernsee. Der Weg führt durch den Königswald nach Krampnitz und weiter Richtung Nedlitz. Der Sacrow-Paretzer Kanal wird überquert, anschließend geht es am Wasser entlang in die Nauener Vorstadt von Potsdam. Über die Meierei erreicht man den Neuen Garten, mit Schloss Cecilienhof, Orangerie und weiteren Parkarchitekturen.
Danach führt die Strecke durch Potsdam, über die Humboldtbrücke und weiter in den Schlosspark Babelsberg. Auch hier bleibt das Wasser lange in Sichtweite. Vorbei am Strandbad, am Kleinen Schloss und am Dampfmaschinenhaus geht es über die Parkbrücke nach Glienicke.
Der Abschnitt durch den Glienicker Park und weiter nach Nikolskoe gehört zu den besonders lohnenden Teilen der Runde. Am Krughorn öffnet sich der Blick zur anderen Havelseite – und damit auch zurück zur Heilandskirche Sacrow. Über das Wirtshaus Moorlake und die Fährstelle zur Pfaueninsel führt der Weg weiter Richtung Wannsee.
Gerade dieser Abschnitt bei Wannsee, mit Wirtshaus Moorlake und dem Fährplatz zur Pfaueninsel, erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Ich war seit Jahrzehnten nicht mehr hier. Zur Zeit der deutschen Teilung war die Havel für uns Westberliner so etwas wie die Côte d’Azur – mit Berliner Schnauze und Waldmeister-Weiße.
Vom S-Bahnhof Wannsee geht es schließlich über den Kronprinzessinnenweg und die Havelchaussee zurück Richtung Spandau. Rund zehn Kilometer führt die Strecke durch den Wald, die Havel immer wieder in Sichtweite. Am Grunewaldturm wartet noch einmal ein längerer Anstieg auf den Karlsberg, danach rollen die zuvor erklommenen Höhenmeter wieder hinunter.
Die Tour ist so schön, dass ich sie gleich in meine Sammlung aufgenommen habe: als knapp 60 Kilometer lange Rundtour mit Start und Ziel am Bahnhof Spandau. Sie verbindet bekannte Abschnitte des Havelradwegs mit Parks, Schlössern, Wasserblicken und Berliner Ausflugsgeschichte – und sie beantwortet nebenbei die Frage, wie die Heilandskirche von der anderen Seite aussieht.